Die Illusion vom Mehr


"Das Ich Existiere enthält bereits die gesamte Fülle ihres Seins. Ihre Handlungen und Erfahrungen erzeugen folglich nie mehr Fülle oder Sinn, sondern zeigen immerzu Ihr volles Sein. "

Haben Sie als Kind auch oft den Satz verwendet „Wenn ich mal groß bin, dann werde ich … “. Bereits in diesem Alter spielen Sie mit der Illusion von Mehr. Sie erzeugen bereits da das Gefühl, dass in Ihrem Leben noch etwas fehlt. Als Erwachsener ändert sich daran kaum etwas. Wenn Sie also das Bedürfnis haben andauernd etwas tun zu müssen oder etwas zu erreichen und Sie möchten unbedingt noch das oder jenes in Ordnung bringen, dann sind Sie mitten in diesem Spiel.

 

Noch vor Ihrem ersten Atemzug auf der Erde waren Sie vollkommen und bleiben es auch für immer, denn Ihr Sein ist nicht endlich (oder für Mathematiker unendlich). Das einzige, was sich verändert, sind die Erfahrungen, die Sie in Ihrer Vollkommenheit machen. Dazu gehört sich als Mehr, eine wichtige Person, mit mehr Verantwortung, mehr Bewunderern … zu fühlen oder als Weniger, als jemand der ersetzbar oder nicht brauchbar ist. Keine dieser Emotionen ist wertvoller oder weniger wertvoll.

 

Dieses Gefühl von mehr Sein erzeugt man aufgrund der inneren Leere, die jeder von uns in sich spürt. Aus Angst vor dieser inneren Leere haben wir das Gefühl des Gebrauchtwerdens gestaltet. Je mehr ich gebraucht werde umso (wert)voller fühle ich mich. In der Familie, Partnerschaft, im Beruf spielt man mit diesem Gefühl des Brauchens. Ärzte, Politiker, Chefs oder Manager spielen sehr gerne dieses Spiel und landen nach ihrer Karriere oft in einem tiefen Loch. Denn je mehr Sie an Aufmerksamkeit, Anerkennung bzw. Energie von außen ziehen, umso leerer werden Sie sich innerlich fühlen.

 

Bei Beziehungen lässt sich das Brauchen am einfachsten zeigen. Oft sind nach der Trennung einer Beziehung kaum noch Gefühle für den Ex-Partner da. Das liegt daran, dass die Trennung Ihnen in Klarheit zeigt, dass Sie den Anderen nicht brauchen (Übrigens auch nie gebraucht haben). Da aber Beziehungen zu 99% vom „Gebrauchtwerden-Gefühl“ bestimmt sind, fällt der Sinn für den Partner und die Nähe zum Partner weg und er/sie fühlt sich plötzlich fremd an. Dann spürt man wieder seine innere Leere und sucht schon die nächste Fülle in der nächsten Beziehung. Zusätzlich empfindet man oft viel Schuld und Scham für die häufige  Kontrolle, mit der man den Partner, die Beziehung und sich selbst gesteuert hat. Das sich-fremd-Fühlen tritt häufig auch während der Beziehung auf. Das überspielt man dann gerne mit viel Oberflächlichkeit oder Drama.

 

Jedes mal wenn Sie gebraucht werden wollen oder wenn Sie versuchen eine Erfahrung zu kontrollieren, erzeugen Sie die Illusion noch Mehr werden zu können, noch wichtiger zu sein als andere oder als die Person, die Sie vorher waren. In Klarheit drücken Sie dabei folgendes aus: “ Ich bin noch nicht zufrieden mit mir! Mir fehlt noch etwas! Ich muss noch etwas tun!“

 

Eins ist sicher: im Vergleich werden Sie immer noch etwas mehr finden, was Sie sein können.

 

Verstecken Sie Ihre innere Leere nicht und haben Sie keine Angst davor. Der einfachste Weg die Illusion von Mehr loszulassen, ist, keine Bedingungen oder Erwartungen an Ihr Handeln knüpfen. Hören Sie auf, alles und jeden kontrollieren zu wollen. Machen Sie Ihren Job, leben Sie Ihre Beziehungen, gestalten Sie Ihre Freizeit ohne Ziele oder Agenda. Es muss nicht noch besser, noch größer, noch mehr sein, …

es ist einfach.